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5 Gedanken aus „Search inside yourself“ v. Chade-Meng Tan

Ich hatte dieses Buch schon auf mehreren „Leselisten“ gesehen und bin neugierig geworden, was mich eigentlich in „Search inside yourself“* (Buchlink) von Chade-Meng Tan erwartet. Immerhin ist es von einem Ingenieur geschrieben, der bei Google arbeitet. Aber vielleicht ist es gerade deswegen so gut, denn der Autor geht Schritt für Schritt die „Achtsamkeitsleiter“ hoch und nimmt uns mit auf die Reise in uns selbst. Das Buch hat einen tollen Schreibstil und einen wundervoll trockenen Humor (womit ich mich persönlich sehr gut identifizieren kann ;).

1. Achtsamkeit als wichtigste Fähigkeit

Zunächst eine klitzekleine Definition, die man sich unbedingt auf der Zunge zergehen lassen sollte.

„Achtsamkeit beinhaltet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen.“

Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S. 53

Gerade der Passus „ohne zu urteilen“, fällt zumindest mir schwer, denn ich urteile meistens viel zu schnell…

Was ist das Problem mit der Achtsamkeit?

„Und die Fähigkeit, die wandernde Aufmerksamkeit immer wieder zurückzubringen, ist die wahre Wurzel des Verstandes, des Charakters und des Willens. Niemand ist seiner selbst mächtig, der sie nicht besitzt. Eine Erziehung, die diese Fähigkeit ausbilden würde, wäre die Erziehung par excellence.“

William James, zitiert in Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S. 85-86

Wer kennt es nicht. Da erzählt jemand eine semi-spannende Geschichte und unsere Gedanken beginnen zu wandern. Wir hören nur noch halb zu und hängen halb neuen Gedanken nach und machen damit keine Sache richtig. Oder wir lesen ein (Sach-)Buch und sind einfach nicht konzentriert, weil unsere Gedanken immer wieder abschweifen (zum Beispiel zu den Dingen, die wir noch zu tun haben). Wir sind einfach nicht bei der Sache und nicht fokussiert. Wenn wir es schaffen unsere Gedanken wieder in die Gegenwart zurückzubringen, können wir viel erreichen. Denn gerade diese Ablenkung lässt uns beispielsweise bei Projekten nicht zu 100% anwesend sein und wir können nicht unsere ganze Kraft investieren (bedeutet schlechtere Ergebnisse).

Chade-Meng Tan geht aber noch einen Schritt zurück und beschreibt, dass wir auch alltäglichen Dingen unsere Achtsamkeit schenken und sie nicht für selbstverständlich halten sollten. Wir haben genug zu essen und sollten dankbar und achtsam sein, dass wir keine Schmerzen haben. Diese Aufmerksamkeit auf scheinbar alltägliche Dinge kann auch dazu führen, dass wir eine gewisse Grundzufriedenheit (=Glück?) entwickeln. Denn oft ist es so, dass wir extremen Gedanken und Situationen unsere Aufmerksamkeit widmen, also entweder besonders gute oder besonders schlechte. Das was „dazwischen“ ist, wird gern von uns als gegeben angesehen.

Wenn wir unsere Achtsamkeit trainieren, verbessern wir gleichzeitig auch unsere Aufmerksamkeit, sodass wir nach und nach auch in anderen Lebensbereichen fokussierter werden. Auf Arbeit, bei Projekten, in der zwischenmenschlichen Interaktion – jemandem zum Beispiel WIRKLICH zuhören und vieles mehr!

2. Training der Achtsamkeit

Es ist quasi der Grundgedanke des Buches, dass wir unsere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit trainieren.

„Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass, wenn wir unsere Aufmerksamkeit besser kontrollieren können, dies erhebliche Auswirkungen darauf haben kann, wie wir auf Gefühle reagieren.“

Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S. 46

Das geht am besten, wenn wir uns der Meditation widmen. Dabei geht es nicht darum sich eine halbe Stunde lang den Hintern platt zu sitzen, sondern tatsächlich mit weniger mehr zu erreichen.

„Das große Geheimnis der Meditation besteht zumindest im Anfangsstadium darin, dass sie Sie in einen Zustand versetzt, in dem Ihr Geist entspannt und aufmerksam zugleich ist.“

Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S. 60

Er beschreibt es als „Zwei-Minuten-Meditationen“. Dabei zeigt er einen „leichten“ und einen „noch leichteren“ Weg.

Der leichte Weg besteht darin, dass wir uns zwei Minuten auf unseren Atem konzentrieren (ohne das uns irgendetwas ablenkt). Beim noch leichteren Weg bleiben wir einfach zwei Minuten sitzen, ohne irgendwelche Absichten zu verfolgen. „Dahinter steht die Idee, nur zwei Minuten lang vom „Tun“ ins „Sein“ zu wechseln, was immer Sie darunter verstehen. Seien Sie einfach.“ Wenn wir diese Übung täglich wiederholen vertiefen wir damit unsere innere Ruhe und Klarheit. Genau da liegt die Krux. Diese zwei Minuten müssen für uns Gewohnheit werden, damit wir davon profitieren können. (Anmerkung: nicht umsonst haben sehr viele erfolgreiche Menschen die Meditation in ihrer Morgenroutine mit drin…)

Zu dem großen Komplex Meditation finden sich noch einige andere Übungen im Buch!

3. Vom emotionalen Bewusstsein zum Selbstvertrauen

„Als Ingenieur stelle ich mir das so vor, dass ich zwei wichtige Betriebsarten verstehen muss: meinen Fehler- und meinen Wiederherstellungsmodus. Wenn ich ein System so gut kenne, dass ich ganz genau weiß, wann es versagt, weiß ich natürlich auch, wann es nicht versagt. Dadurch kann ich großes Vertrauen in das System entwickeln, auch wenn es nicht perfekt ist. Denn ich weiß, wie ich es an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen kann. Wenn ich darüber hinaus ganz genau weiß, wie sich das System nach einem Ausfall erholt, kann ich sogar dann zuversichtlich sein, wenn es versagt. (…) Wenn ich diese Dinge auch über meinen Geist, meine Gefühle und meine Fähigkeiten in Erfahrung bringe, kann ich trotz meiner vielen Unzulänglichkeiten und obwohl ich aussehe, wie ich eben aussehe, Vertrauen in mich gewinnen.“

Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S.130

Dazu eine Grafik aus dem Buch, weil sie einfach alles zu diesem Punkt sagt:

aus „Search inside yourself“ von Chade-Meng Tan, S.133

Wir kommen letztlich zu Selbstvertrauen, wenn wir unsere Gefühle objektiv wahrnehmen können, uns selbst genau kennen und uns gut einschätzen können. Dann wissen wir, was wir können, was wir wollen und wie wir auf bestimmte Situationen reagieren. Daraus resultiert große Sicherheit!

Wie kommen wir zu unseren inneren Gefühlen und zu unseren Zielen? Genau, durch Achtsamkeit und diese können wir am leichtesten durch Meditation erreichen. 😉

4. Umgang mit Schlüsselreizen

Ein Schlüsselreiz ist dabei eine Situation im Alltag, die für sich allein genommen recht unbedeutend ist, aber unsere Emotionen zum Überschäumen bringen. Beispielsweise unser Partner, der eine scheinbar harmlose Bemerkung macht, aber uns zum Explodieren bringt (wer kennt das nicht ;). Wir machen dann sprichwörtlich aus einer Mücke einen Elefanten.

Meist haben Schlüsselreize eine Vorgeschichte. Es erinnert uns an eine Situation aus der Vergangenheit und wir denken uns, „Jetzt geht das schon wieder los!“ Es ist quasi ein wunder Punkt von uns, der getroffen wird.

Hinweise, dass es sich um ein Schlüsselreiz handeln könnte, zeigen unser Körper, Gefühle und Gedanken:

„Körper: Flache Atmung, schneller Herzschlag, flaues Gefühl im Magen;

Gefühle: Man hat das Bedürfnis zu kämpfen oder zu fliehen; man ist entweder wie gelähmt vor Angst oder hat einen Gefühlsausbruch (wofür Goldmann den berühmten Begriff des „neuronalen“ oder „emotionalen Überfalls“ prägte);

Gedanken: Man fühlt sich als Opfer, hat urteilende und vorwurfsvolle Gedanken und tut sich schwer, aufmerksam zu bleiben.“

Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S. 168
Zur Bewältigung gibt es die „Nordsibirische Eisenbahn“ (angelehnt an die kalte Region, in die diese fährt; um unsere erhitzten Gemüter wieder abzukühlen).

„Die Übung besteht aus fünf Schritten:

1. Innehalten

2. Atmen

3. Beobachten

4. Nachdenken

5. Reagieren

Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S.169

Dabei ist der wichtigste Schritt das „Innehalten“. Wenn wir es schaffen in unsere Gedanken- und Gefühlswelt eine Pause einzubauen, sind wir wieder handlungsfähig und nicht machtlos unserer Emotionen gegenüber.

In dem wir Atmen (=Konzentration auf das Atmen, wie bei der Meditation), verlängern wir unsere Pause.

Wir beobachten, was in unserem Körper vor sich geht. Wie nehmen wir belastende Gefühle wahr? Dabei ist es wichtig dies ohne zu urteilen zu erleben. „An diesem Punkt kommt es vor allem darauf an, dass Sie versuchen, eine emotionale Belastung als rein körperliches, nicht als existenzielles Phänomen wahrzunehmen.

Erst danach können wir darüber nachdenken, woher dieses Gefühl stammen könnte? Falls eine weitere Person beteiligt ist, sollten wir über den Aspekt nachdenken, dass jeder glücklich sein will. Das sollte ohne zu urteilen erfolgen. (Anmerkung: Diesen Punkt finde ich nach wie vor schwierig in der persönlichen Umsetzung.)

Ganz zum Schluss überlegen wir uns, wie wir aus dieser Situation etwas positives machen können. Was wär die günstigste bzw. positivste Reaktion?

Durch diese 5 Schritte wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass wir Dinge sagen oder tun, die wir hinterher bereuen könnten.

5. Motivation in drei leichten Schritten

„1. Selbstbestimmung: das Bedürfnis, selbst über das eigene Leben zu bestimmen.

2. Perfektionierung: der Wunsch, in einem wichtigen Bereich immer besser zu werden.

3. Sinnerfüllung: die Sehnsucht, das eigene Tun in den Dienst einer größeren Sache zu stellen.“

Chade-Meng Tan; Search inside yourself, S. 194

Perfekt, oder? 😉 Jetzt müssen wir „nur noch“ wissen, wohin wir eigentlich wollen bzw. was wir vom Leben erwarten.

Dafür hat Chade-Mang Tan einige Übungen im Buch vorgeschlagen. Zum Beispiel solltest du dir aufschreiben, wenn heute alles ideal verläuft, welches Leben du in 5 Jahren am liebsten führen würdest. Nachdenken alleine wäre zu abstrakt, daher ist das Schreiben so wichtig. Visualisierung ist auch eine beliebte Methode (z.B. Bilder vom persönlichen Traum an eine Wand heften). (Anmerkung: und danach machst du dir einen Plan wie du deinen Traum erreichst. Denn dann wird aus einem Traum ein Ziel.)

Eine andere Methode ist, seinen eigenen Nachruf zu verfassen. Klingt zunächst makaber, ist aber hocheffektiv. Was soll über dich gesagt werden, wenn du gestorben bist? Was bleibt von dir? Eine wundervolle Übung, die dir die Augen öffnen kann!

Fazit aus „Search inside yourself“

Ich hätte noch viel mehr Gedanken zu diesem Buch aufschreiben können und wäre ihm trotzdem nicht gerecht geworden. Es ist einfach wundervoll geschrieben und man sollte sich Zeit nehmen (da wären wir wieder beim Thema Achtsamkeit und Aufmerksamkeit 😉 es zu lesen. Ich kann es jedem empfehlen, der in seinem Leben nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern sich selbst richtig kennen lernen möchte. Es hat aber nicht nur persönliche „Auswirkungen“, sondern verbessert die Interaktion und kann den beruflichen Erfolg nochmal richtig pushen.

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In diesem Sinne: maximale Achtsamkeit

Anna von Finanzmedicus

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