Macht Geld glücklich?

Macht Geld glücklich?

Die Frage, ob Geld glücklich macht, ist quasi so alt wie die Menschheit. Schon die alten Griechen haben sich zu diesem Thema ihre Gedanken gemacht. Ist derjenige besser dran, der viel Geld hat? Oder hat der Nomade, der von Tag zu Tag lebt, ein besseres und freieres Leben? Und wenn Geld glücklich macht, wieviel sollte es denn sein?

Wieviel Geld macht denn glücklich?

In der heutigen Zeit gibt es tatsächlich in der Normalbevölkerung eine enge Verbindung zwischen dem Einkommen und dem Glücksgefühl. Allerdings hat diese Korrelation Grenzen und das Glück nimmt nicht kontinuierlich mit steigendem Einkommen zu. Kahneman und Deaton haben 2010 eine amerikanische Studie publiziert, die sich unter anderem mit dieser Fragestellung beschäftigt hat. Dabei steigt das Glücksgefühl bis zu einem jährlichen Einkommen von $75.000 an und erreicht dann ein Plateau. Im nächsten Absatz siehst du die Grafik aus der Studie:

Quelle: Kahneman, Deaton; high income improves evaluation of life but not emotional well-being; 107 (38); 16489-16493; 2010; Proc Natl Acad Sci U S A.

Dabei ist auffällig, dass eine weitere Einkommenssteigerung wenig bis keinen Effekt auf das mentale Wohlbefinden („positive affect“, „not Blue“ und „stress free“) hat. Sprich: um „nach Zahlen“ glücklich zu sein, musst du definitiv kein Millionär sein!

Die ganze Sache hat natürlich einen Haken! Denn es geht auch um die Motive, warum du denn so viel Geld haben möchtest.

Materialismus = Materialismus?

Wenn in dir der Wunsch keimt, endlich reich zu sein, um glücklich zu werden, dann Vorsicht. Es kommt auf deine Motive an, warum Geld dir zu mehr Glück verhelfen sollte.

Nach Csikszentmihalyi (Wow, was für ein Name!) gibt es zwei unterschiedliche Formen des Materialismus.

  1. Den instrumentellen Materialismus, um deine persönlichen Werte und Ziele zu erreichen (Projekt xy unterstützen etc.).
  2. Den terminalen Materialismus, um den sozialen Status zu pushen und Neid zu erzeugen.

Du ahnst es vielleicht schon. Die zweite Variante mit dem terminalen Materialismus, um andere zu beeindrucken, macht auf lange Sicht sogar unglücklich (Quelle).

Dazu gibt es ein schönes Zitat aus dem Film Fightclub:

„Von dem Geld, was wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen.“

Wie oft kommt es vor, dass wir uns etwas kaufen, um einem gewissen Status gerecht zu werden? Kaufen wir das teure neue Auto, weil es uns persönlich gefällt oder wollen wir in Wahrheit Anerkennung und neidvolle Blicke ergattern? Das lässt sich auf fast jede Kaufaktion runterbrechen. Ziehen wir selbst einen Benefit daraus oder sind wir auf „externe“ Bewunderung aus?

Wenn wir auf sozialen Status aus sind und wir diesen Geld-Glück-Effekt überschätzen, kann uns das auch dazu verleiten, falsche Ziele zu setzen. Dann arbeiten wir im schlimmsten Falle nur noch für unsere Besitztümer und das echte Leben zieht an uns vorbei.

Was bringt mehr Glück?

Was gibt uns persönlich denn wirklich echtes Glück im Leben?

Zum Beispiel wahre Freundschaften, eine liebevolle Familie, guter Umgang mit uns selbst, innere Zufriedenheit, ein reicher Schatz an Erlebnissen und Erinnerungen, etc. …

Es gibt ein Zitat von Aristoteles, das meiner Meinung nach, den Glückszustand in Bezug auf Geld ganz treffend beschreibt:

„Geld ist die Garantie dafür, daß, wenn wir etwas wollen, wir es in Zukunft haben können. Auch wenn wir im Moment nichts brauchen, sichert es die Möglichkeit, einen neuen Wunsch zu befriedigen, wenn er auftaucht.“

Genauso sehe ich das auch. Genügend Geld zu haben, ist definitiv wichtig, um ruhig schlafen zu können und im Leben in jeder Lage immer die Wahl zu haben. Aber es hat nicht den ultimativen Stellenwert, dass sich im Alltag alles ums Geld dreht. Da zählen andere Dinge viel mehr. Hier dazu ein passender weiterführender Artikel.

Fazit, ob Geld glücklich macht

Bis zu einem gewissen Einkommen macht Geld glücklicher, wie wenn wir in Armut leben würden. Allerdings kommt es auch auf unsere Geldmotive an, warum wir viel Geld besitzen wollen. Wollen wir damit unsere inneren Werte und Ziele stärken und sinnvolle Projekte starten, kann uns Geld definitiv glücklich machen. Wenn wir jedoch nur Neid erzeugen wollen, dann werden wir sogar unglücklicher.

Der beste Spruch zum Schluss, weil es definitiv auf mich zu trifft. 🙂

„Glück lässt sich kaufen. Man nennt es Essen.“

Zu diesem Artikel hat mich das großartige Buch von Claudia Hammond „Erst denken, dann zahlen“* inspiriert. Sehr lesenswert!

Wieviel Geld brauchst du für dein Glück und ruhige Nächte? Schreib mir doch gern in die Kommentare. 🙂

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Michael

    Das ist leider nicht der beste Artikel zur Glücks-Diskussion…
    Meine Haupt-Kritikpunkte: Der Kahneman-Aufsatz ist falsch zitiert.
    Die Kernaussage lautet NICHT „Dabei steigt das Glücksgefühl bis zu einem jährlichen Einkommen von $75.000 ..“
    sondern:
    Während das „Wohlbefinden“ (emotional well-being) bei $75000 sättigt, steigt die „Lebensqualität“ (evaluation of life = Ladder-Kurve im Diagramm) bis mindestens $160000 an.

    Ja, unter dem Diagramm verwendest du den korrekten Ausdruck „Wohlbefinden“, aber bis dahin wurde der Leser schon 7 mal auf „glück“ ge-primed.

    Methodisch gibt es an der Studie auch eines auszusetzen, Kahneman und Deaton haben eben nicht untersucht wie sich die die „Glücksparameter“ mit dem Einkommen verändern, d.h. wieviel besser sich jemand fühlt, wenn er sein Einkommen von $60000 auf $65000 steigert, sondern die „Glücksparameter“ pro Einkommensgruppe bestimmt. Dabei haben die Autoren nicht nach allen anderen Parametern gesucht. Auch in den USA hat ein typischer Hausmeister an einer typischen Schule ein anderes Einkommen als ein typischer Fluglotse oder ein typischer Polizist oder ein typischer Profi-Football-Spieler. Wenn Leute aus diesen Berufsgruppen unterschiedliches Wohlbefinden haben, liegt es dann am Einkommen oder an der Arbeit?

    Kahneman und Deaton sagen dazu:
    When interpreting our findings, it is essential to distinguish changes from differences. Our data speak only to differences; they do not imply that people will not be happy with a raise from $100,000 to $150,000, or that they will be indifferent to an equivalent drop in income.

    1. Finanzmedicus

      Hallo Michael,
      vielen Dank für deinen kritischen Kommentar.

      Schließt Glück nicht auch Wohlbefinden mit ein? Es gibt einige Ökonomen, die der Einfachheit halber beide Begriffe in ihren Untersuchungen gleichsetzen. Wohl wissend, dass es feine Unterschiede zwischen den Begriffen gibt, jedoch eine so starke positive Korrelation untereinander, dass es für bestimmte Zwecke unbedenklich ist, sie synonym anzuwenden (Quelle.)

      Ja, das Glücksgefühl bzw. Wohlbefinden sättigt bei $75.000, bildet wie geschrieben ein Plateau, steigt aber bis dahin an. Auf die Lebensqualität bin ich im Artikel nicht eingegangen.

      Jede Studie hat Kritikpunkte. Diese Studie hat einfach gut visualisiert, dass das monetäre Glücksgefühl nicht unendlich steigerbar ist und dass dieses Grenzeinkommen nicht im Millionenbereich liegt, sondern tatsächlich erreichbar ist.

      Natürlich freue ich mich über Verlinkungen zu Studien, die die Thematik methodisch besser behandeln. 🙂

      Viele Grüße
      Anna

      1. Michael

        Danke für deinen schnelle Antwort.
        Die Definition von Glück ist eher eine philosophische Frage (wahrscheinlich vermeidet Kahneman deswegen den Begriff „happiness“), ich werfe deshalb eine pragmatische Definition in den Ring: https://www.youtube.com/watch?v=axSrpIP8DkY&t=38

        Was ich bei der Kahneman-Studie methodisch bedauerlich finde, ist die Entscheidung, das Einkommen als Bezugsgröße zu wählen. Ich vermute, daß ein anderer Parameter wie z.B. liquides Netto-Vermögen ein besserer Indikator für finanzielle Zufriedenheit wäre.

        Das DIW hat kürzlich ein paar Datenpunkte veröffentlicht (https://www.diw.de/de/diw_01.c.793802.de/publikationen/wochenberichte/2020_29_1/millionaerinnen_unter_dem_mikroskop__datenluecke_bei_sehr_ho___geschlossen______konzentration_hoeher_als_bisher_ausgewiesen.html) , danach steigt die „Zufriedenheit mit dem Leben“ auch noch bei Vermögen > 250 Million EUR an, ohne Anzeichen einer Sättigung.

        In meinem ersten Kommentar habe ich „evaluation of life“ mit Lebensqualität übersetzt. Das war voreilig; der Ausdruck „Zufriedenheit mit dem Leben“ aus der DIW-Untersuchung trifft den Kern der Sache besser.

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