Schulden, Schulden, Schulden …

Schulden, Schulden, Schulden …

Die meisten Menschen, die Schulden haben, haben Konsumschulden. Und heutzutage sind die Verlockungen unserer Konsumgesellschaft groß. Es muss immer das beste, tollste und neueste Gerät sein – und am besten schon gestern. Das wird uns zumindest von der Werbeindustrie suggeriert. Meist sind die Wünsche größer als das Geld, was tatsächlich vorhanden ist. Da ist es natürlich sehr entgegenkommend, wenn dir jemand „Unterstützung“ anbietet, in Form von „0%-Finanzierungen“, damit du dir etwas leisten und gönnen kannst. Dieser Trend ist sehr gefährlich und auch gesellschaftlich fragwürdig. Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass einige Menschen mit dem Einkaufen etwas anderes Kompensieren möchte. Aber das nur am Rande. In bestimmten Fällen können Schulden allerdings auch einen positiven Effekt haben – nämlich im Rahmen einer Investition.

Schulden als Investition

Damit ist nicht das Eigenheim gemeint! 😉 Sondern, wenn du als Investor Immobilien erwirbst und dafür einen Immobilienkredit aufnimmst. Das ist eine feine Sache, wenn der Cash-Flow durch die Mieteinnahmen stimmt.

Ein anderes Gebiet ist die Investition beispielsweise in dein eigenes Unternehmen. Wenn du am Anfang stehst und viel Kapital brauchst, um weiter wachsen zu können, sind Kredite eine sinnvolle Variante, um voranzukommen.

Oder aber du investierst in dein Humankapital. Manchmal ist es sinnvoll einen Bildungskredit aufzunehmen, wenn die finanziellen Mittel dafür sonst nicht ausreichen würden. Da solltest du dir aber ganz genau überlegen wieviel Kredit du brauchst und die Konditionen vorher gut vergleichen! 

Achtung!

Eine weiteres Feld der Schulden als Investition ist spekulativer Natur. Es gibt teilweise die Meinung, dass es gut sei Schulden aufzunehmen, um beispielsweise an der Börse eine besonders günstige Aktie zu erwerben und auf deren Wachstum zu spekulieren und mit dem Kursgewinn die Schuldzinsen zu begleichen und zusätzlich etwas übrig zu haben. Das ist sehr riskant und hoch spekulativ, denn KEINER kann die Börsenkurse vorhersagen. Keiner. Zumal das Risiko eines Totalausfalles einer Aktie immer gegeben ist (und du damit komplett auf den Schulden sitzen bleiben würdest) und es sowieso ein irrsinnig hohes Klumpenrisiko darstellt, in nur einer Aktie investiert zu sein. Wenn dir also jemand so einen „guten Deal“ anbietet, solltest du sehr vorsichtig sein, das Weite suchen und nach echten guten Deals Ausschau halten.

Konsumschulden

Zu diesem Thema habe ich eine kleine Anekdote. Vor einigen Jahren lief bei uns der erste Autokredit aus und eine Ballonrate (der Rest des Kredites, der noch nicht getilgt wurde) war fällig. Dazu kontaktierten wir unseren Bankberater (welch ironische Bezeichnung), der uns ein gutes Angebot machen sollte. Es ging um eine Summe von 10.000 Euro und tatsächlich bot uns der Bankberater einen Kredit von 11.000 Euro an mit dem Hinweis, dass wir uns ja von den restlichen 1000 Euro etwas gönnen könnten. Ähm was?? Damals war ich noch finanziell naiv, sodass ich das für eine gute und nette Idee hielt. Bei nüchterner Betrachtung ist das richtig dumm für einen selbst und gut für die Bank, weil sie mehr Zinsen einnehmen können. 

Konsumschulden sind in der Regel dumme Schulden, weil man über seinen Verhältnissen lebt. Es werden Dinge gekauft, die so teuer sind, dass sie nicht sofort bezahlt werden können. Aber man hätte sie gern und nimmt in Kauf dafür an ANDERE Zinsen zu zahlen. Das ist verlorenes Kapital. 

Was alles zählt unter Konsumschulden?

Die spannende Frage ist, was alles Konsumschulden sind. Bei einigen Dingen gehen die Meinungen weit auseinander. 

Konsumschulden sind: ein neues Sofa, Einrichtung etc. auf Raten, Handy mit Finanzierung, eine Reise auf Pump, ein neues Auto mit Ratenzahlung, eine selbstgenutzte Immobilie. Stopp! Eine Immobilie? Ja, eine selbstgenutzte Immobilie zählt mit zu den Konsumschulden bzw. generell mit zum Konsum, da mit einer selbstgenutzten Immobilie nichts erwirtschaftet wird. Es ist reiner Luxus in einem gekauften Haus zu leben. Die Sachlage ist eine andere, wenn du eine Immobilie zur Weitervermietung erwerben möchtest. Dann zählt dies zur Investition. Auch ein Auto ist reiner Konsum. Tatsächlich kann ein Auto notwendig sein, wenn die öffentlichen Anbindungen nur unzureichend sind. Aber real verliert ein Auto kontinuierlich an Wert, erst Recht wenn es ein Neuwagen ist, der gerade vom Händlerhof gefahren wird (Wertverlust rund 20%).

Konsumschulden kann man auch Verbindlichkeiten nennen. Einige haben Schwierigkeiten eine Verbindlichkeit von einer Investition zu unterscheiden. Denn vor allem die „Häuslebesitzer“ sagen gern, dass sie in ihre selbstgenutzte Immobilie „investiert“ haben. Ein Investition erwirtschaftet Geld für dich, das heißt, dass Geld IN deine Tasche fließt. Eine Verbindlichkeit macht genau das Gegenteil: sie KOSTET dich Geld und zieht dir das Geld aus der Tasche. Wenn du dich also vor der nächsten Anschaffung fragst, ob das eine Investition ist, dann prüfe immer genau in welche Richtung der Geldfluss fließt.

Man muss sich immer vor Augen führen wofür wird gerade der Kredit aufgenommen. Die Zinsen, die daraus resultieren, sind Geld, dass für einen selbst verlorenes Kapital ist. Kapital, was als echtes Investment auch gewinnbringend angelegt werden könnte! Im besten Falle lässt du Konsumschulden ganz bleiben. Dann kommst du auch nicht in das klassische Hamsterrad: ich muss arbeiten, um mir all die Dinge leisten zu können, die ich möglicherweise gar nicht alle brauche.

0%-Finanzierungen – Schulden durch die Hintertür

Auch ist besondere Vorsicht vor den sogenannten „0-Prozent-Finanzierungen“ geboten. Wenn Möbel, elektronische Geräte oder andere „kleinere“ Dinge mit diesen Finanzierungen gekauft werden müssen, scheint von vornherein nicht ausreichend Geld da zu sein. Sollte das bei dir der Fall sein, solltest du dich ganz genau fragen, ob du diese Anschaffungen gerade wirklich brauchst bzw. ob es nicht günstiger geht. Auch kleinere Raten von 30 Euro oder 50 Euro sind in der Summe ein großer Batzen Geld. Falls diese Raten nicht mehr bedient werden können, wird es richtig teuer. Außerdem sollte man sich immer überlegen, warum eine Bank 0%-Finanzierungen anbietet. In vielen Fällen ist es der Beginn einer langen „Bankbeziehung“. Falls du die einzelnen Raten nicht mehr bedienen kannst, wird vielleicht ein Bankdarlehen aufgenommen oder du rutscht in den Dispo, was sehr viel Geld kostet. Zinssätze von 5 bis 9% sind keine Seltenheit! Finde im Gegenzug mal eine Investitionsanlage, die so viel Rendite abwirft. Fehlanzeige. Der Beginn einer Geldvernichtungsspirale.

Die Bank hat zudem deine Kontaktdaten und wird dich auch in Zukunft mit „attraktiven“ Angeboten konfrontieren. Da bekommst du eine Kreditkarte oder ähnliches, mit der du bequem Einkaufen gehen kannst. Auf die du aber auch kräftig Zinsen zahlst. Viele Menschen geben diesen Verlockungen nach und tappen in die Überschuldungsfalle.

Schuldenabbau

Schulden zu haben, ist meist kein allzu schönes Gefühl – vor allem ,wenn es Konsumschulden sind. Da die Schuldzinsen in der Regel höher sind als die Geldanlage in „sichere“ Investitionen, lohnt sich der Schuldenabbauh immer!

Hier ein kurzer 7-Punkte-Plan für dein weiteres Vorgehen, falls du Schulden hast:

  1. Verschließe nicht die Augen vor den Schulden! Übernimm die Verantwortung für deine Schulden!
  2. Mach eine GENAUE Auflistung ALLER bestehenden Schulden – welcher Betrag, bei wem, Fälligkeit und der Zinssatz.
  3. Begleiche zuerst die Schulden bei Freunden, denn sonst wird die Freundschaft sicher in die Brüche gehen.
  4. Gläubiger anschreiben und informieren, falls du dich nicht in der Lage siehst die Schulden in der aktuellen Höhe zu begleichen.
  5. Welche Schulden haben die höchsten Zinsen? Meist ist es der Dispo. Den solltest du zuerst ausgleichen.
  6. Bei vielen kleinen Krediten kann eine Umschuldung zu einem großen Kredit zu einem besseren Zinssatz sinnvoll sein.
  7. Durchhalten!

Sollten dir die Schulden über den Kopf wachsen (oder es ist kurz davor), dann suche dir unbedingt professionelle Hilfe bei einem Schuldnerberater. Denn jede Situation stellt sich individuell dar und sollte auch so gelöst werden. Habe keine Angst oder Scham vor der Schuldnerberatung!

Fazit

Wenn du Schulden zur Investition nutzen solltest, dann können sie sicherlich nützlich sein. Ansonsten sind Schulden wie ein schwerer Klotz am Bein und hindern dich daran einen wirksamen Vermögensaufbau zu betreiben. Nicht zu vergessen, dass du mit den Schuldzinsen jemand anders bezahlst… Deswegen ist ein konsequenter Schuldenabbau eine sehr sinnvolle Maßnahme!

In diesem Sinne: maximale finanzielle Erfolge!

Deine Finanzmedicus

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