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Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen von Hartmut Walz

Prof. Walz ist mir schon bei einigen Gelegenheiten „über den Weg“ gelaufen und er engagiert sich zum Thema Verbraucherschutz mit Schwerpunkt Finanzen (konkret Geldanlage, Versicherungen und Vorsorge). Quelle. In den letzten Jahren hat er diverse Bücher geschrieben und ein Buch davon möchte ich euch vorstellen. Gelesen habe ich „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“ in der ersten Auflage.

Es ist ein Buch, was an Privatanleger gerichtet ist und das Ziel hat, den Privatanleger in die Lage zu versetzen, selbst grundlegende Finanzentscheidungen zu treffen. Prof. Walz beschreibt selbst in der Einleitung, dass dies ein schwieriges Unterfangen ist, da es leicht zu einer zu hohen Informationsdichte kommen kann und der Leser einfach nur verwirrt ist. Wichtig ist, dass der Autor keine konkreten Produkte empfehlen wird. Auch wird er nicht sagen, dass es nur DIESE EINE Finanzstrategie gibt – die gibt es nämlich nicht und ist eine hochindividuelle Angelegenheit. Aber Prof. Walz gibt klare Empfehlungen zu Anlageklassen und Anlagevehikeln, ob diese vom Risikoprofil und von der Kostenstruktur günstig sind für den Normalbürger.

Das Buch „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“ hat mir insgesamt sehr gut gefallen und visualisiert viele Sachverhalte in tollen Grafiken. Manchmal musste ich Absätze zwei Mal lesen, um den Inhalt richtig zu durchdenken, aber das ist bei dem Thema völlig normal. Außer man ist Mathematikprofessor. 😉

Hier nun ein paar Gedanken aus dem Buch.

1. Niedrigzinsphase und Anleihen

Prof. Walz hat das Buch thematisch so geordnet, dass der Leser zuerst erfährt, welche geldpolitische Lage gerade herrscht und welche Folgen sich daraus ergeben. Seit einigen Jahren herrscht eine Niedrigzinsphase vor und diese wird höchstwahrscheinlich auch eine Zeit lang so bleiben. Das hat natürlich direkte Auswirkungen auf die festverzinslichen Titel – zum Beispiel Anleihen.

Wer sich Portfolios von bekannten Investoren anschaut – z.B. Ray Dalio, bemerkt, dass hier immer ein Anteil Anleihen mit beigemischt ist. Aber ist das im heutigen Umfeld für den Normalbürger auch eine gute Sache? Eher nicht. Denn zum einen haben die Anleihen mit der höchsten Bonität – z.B. die Bundesanleihen – nur noch eine minimale Rendite, wenn sie nicht sogar negativ wird (wohlgemerkt ohne Inflation und vor Steuern!). Zum anderen bestehen dann sogar Kursverluste für den (in Anleihen) investierten Anleger, wenn die Zinsen wieder steigen sollten.

Daher ist die Assetklasse der Anleihen für den Privatanleger in dem heutigen Zinsumfeld sehr unattraktiv geworden und für eine positive Rendite nicht zu empfehlen.

2. Je komplexer ein Finanzprodukt, desto schlechter für den Anleger

Wer kennt sie nicht die „total verständlichen“ Produktinformationsblätter und AGBs von Finanzprodukten? In der Regel gilt: je komplexer und unverständlicher ein Finanzprodukt ist, desto seltener hat ein Anleger eine sinnvolle Geldanlage in der Hand.

Mal davon abgesehen, dass selbst die Vermittler derartiger Anlagen oft nicht 100% durchsehen, was sie da eigentlich verkaufen. …ist es so, dass gerade bei komplexen Geldanlagen extrem viele Kosten versteckt sein können. Gerade die Kosten sind es, die eine vielleicht gute Rendite, komplett zunichte machen. Daher Augen auf bei den Kosten! Das kann man gar nicht oft genug betonten! Frage auch nach versteckten Kosten und fordere eine KOMPLETTE Kostenübersicht von deinem Finanzproduktverkäufer (außer du bist tatsächlich bei einem „echten“ Honorarberater gelandet).

3. Versunkene Kosten

Ein wichtiges Kapitel stellt die versunkenen Kosten dar. (Diese gibt es wohlgemerkt nicht nur bei den Finanzanlagen, sondern du kannst das auf alles übertragen, was du machst.)

Versunkene Kosten sind in der Vergangenheit entstandene Kosten, die nicht mehr rückgängig zu machen sind und sich auch nicht mehr amortisieren. Es gibt allerdings einen psychologischen Haken an der Sache, denn wir denken viel zu oft: „Zu viel investiert, um das aufzugeben.“ (S.151). Daher sollte man versunkene Kosten möglichst vermeiden oder klein halten oder so weit wie möglich in die Zukunft schieben.

„Die Ökonomie aber sagt: Vergangen und verloren, das ist nicht mehr relevant. Entscheidend ist der heutige Zeitpunkt mit Blick nach vorn. Die in der Vergangenheit angefallenen Kosten können Sie ohnehin nicht mehr zurückholen, egal, wie Sie sich heute entscheiden: also retten, was noch zu retten ist. Schauen Sie stattdessen, dass Sie in Zukunft nicht noch weitere Verluste eingehen.“

Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen von Hartmut Walz, S. 151

Ich persönlich bin in die Falle getappt als es um unseren Bausparer ging. Ich habe mehr an die versunkenen Kosten (Abschlussgebühr!) gedacht als an die Rendite, die mir eine Alternativanlage gebracht hätte.

4. Passive versus aktive Strategie

Seit der Kommer-Bibel * (hier geht’s zur Rezension) sollte klar sein, dass eine passive Strategie in etwa die Marktrendite einbringt und eine aktive Strategie in der Regel NICHT zur Marktrendite führt (und schon gar nicht nach Kosten). Die Wissenschaft empfiehlt daher schon länger einen passiven Ansatz, was das Investieren angeht.

„Die zentralen Thesen der passiven Strategie sind:

1. Der Markt ist im Wesentlichen effizient und enthält meistens die kursrelevanten Informationen. Prognosen und Einzelanalysen spiegeln vor, etwas zu kennen, was der Markt nicht sieht. Das kann in Einzelfällen (zufällig) stimmen, im Durchschnitt und auf Dauer jedoch nicht.

2. Versuche, den Markt zu schlagen, sind unsinnig, denn diese Versuche werden vor Kosten erwartungswertneutral sein (mal klappt es -> Gewinn, mal scheitert es -> Verlust) und im Schnitt kommt dabei kein zusätzlicher Ertrag heraus. Nach Transaktionskosten wird es noch schlechter. Das Anlageergebnis des aktiven Investors wird also erwartungsgemäß gerade um die eingegangenen Transaktionskosten schlechter abschneiden als das des passiven Investors.

3. Die Empfehlung lautet also: „Kaufe und halte„, denn wer nicht dabei ist und das Risiko sinkender Kurse vermeiden möchte, der ist eben auch nicht dabei, wenn die Party „rockt“. Das sind die Opportunitätskosten der Risikovermeidung.

Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen von Hartmut Walz, S. 161

5. Warum sieben Kriterien besser sind als drei?

Es wird immer wieder das „magische Dreieck“ zur Bewertung von Anlagemöglichkeiten herangezogen. Dabei wird suggeriert, dass auf eine der drei Komponenten (Rendite, Sicherheit, Liquidität) immer verzichtet werden müsse. Das spielt allerdings nur den Finanzprodukteverkäufern in die Hände, da so die Entscheidungsmöglichkeiten der Privatperson künstlich eingeengt werden. Daher hat Prof. Walz in seinem Buch die verschiedenen Anlagen anhand von sieben Kriterien bewertet – Transparenz, Kosteneffizienz, Sicherheit, steuerliche Vorteilhaftigkeit, Liquidität, Inflationsschutz, Rendite vor Steuern. Das bewirkt eine völlig andere Darstellung des Produktes, um das es dann letztlich geht.

Quelle: Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen von Hartmut Walz, S. 174

Fazit zum Buch „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“ von Hartmut Walz

Es ist ein sehr gelungenes Buch und ich ordne es zu den must-read-Büchern zu, wenn es um Finanzfragen geht. Nach dem Buch hast du einen guten Überblick, über die aktuelle Umfeldsituation, weißt über gängige Fallen bei Finanzprodukteverkäufern bescheid und hast eine konkrete Vorstellung zu den einzelnen Produktklassen (die ich hier nicht aufgeführt habe).

Auch gibt der Autor am Ende des Buches eine klare Empfehlung bezüglich Altersvorsorge. Spoiler: Ja, es hat was mit ETFs zu tun.

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Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und gute Finanzentscheidungen!

Anna

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