Thesaurierend oder ausschüttend – Was ist der bessere ETF?

Thesaurierend oder ausschüttend – Was ist der bessere ETF?

Es wird immer wieder die Frage gestellt, welcher ETF besser wäre. Thesaurierend oder ausschüttend? Diese Frage soll in diesem Artikel beantwortet werden. Auch verrate ich, welche Variante ich bevorzuge.

Vorher solltest du natürlich deine Finanzen auf solide Füße gestellt haben und dich mit dem Investmentprodukt „ETF“ beschäftigt haben! Hier geht es zum Artikel, falls du dazu Anregungen möchtest.

Kurze Begriffserklärung:

Ein ETF bildet einen bestimmten (Aktien-)Indexfond nach. Wenn sich in dem ETF Aktien befinden, die eine Dividende ausschütten, steht diese natürlich auch dem ETF-Halter (sprich du) zu. Der ETF-Anbieter kann nun unterschiedlich mit den Dividenden umgehen. Entweder er schüttet die Dividenden anteilsmäßig an dich aus (=ausschüttend) oder er investiert sofort die Dividende in den ETF zurück (=thesaurierend), ohne dass du etwas auf deinem Verrechnungskonto vorfindest. Diese Entscheidung (und noch einige andere) musst du bereits vor dem Kauf eines ETF getroffen haben!

Nun zu den Vorteilen von thesaurierenden und ausschüttenden ETFs, um dir die Entscheidung etwas zu erleichtern!

Vorteile eines thesaurierenden ETFs

  • Weniger Zeitaufwand durch automatisches Reinvestieren der Erträge!
  • Nutzung des Zinseszins-Effekt zu 100%, weil keine Dividenden als Reinvestition „vergessen oder verfressen“ werden können.

Vorteile eines ausschüttenden ETFs

  • Es lässt sich damit ein passives Einkommen generieren, da die Dividenden auf dein Konto gezahlt werden. Wenn du also die Erträge jedes Jahr für Konsum nutzen möchtest, ist ein ausschüttender ETF besser. Hier eignen sich z.B. besonders spezielle Dividenden-ETFs, die eine höhere Rendite haben als z.B. der MSCI-World mit ca. 2% pro Jahr.
  • Für einige hat es einen großen motivierenden Effekt, die Auszahlungen jedes Jahr auf dem Konto zu sehen. Ähnlich wie bei Einzelaktien, welche Dividenden ausschütten.
  • Unter Umständen etwas einfachere Berechnung der Steuer bei Verkauf von ETF-Anteilen (aber das wollen wir ja erst, wenn überhaupt, in 30 Jahren machen ;).

Argument: Besser Nutzung des Freistellungsauftrags mit ausschüttenden ETFs?

Ein beliebtes Argument ist, dass mit einem ausschüttenden ETF der Freistellungsauftrag von 801€ (für Einzelpersonen; 1602€ bei Verheirateten) besser genutzt werden kann. Hier sei angemerkt, dass man mit einem thesaurierenden ETF den Freistellungsauftrag auch nutzt, nur nicht in dem Ausmaß. Stichwort ist hier die Vorabpauschale, die jedes Jahr berechnet wird, aber mit dem Freistellungsauftrag verrechnet werden kann.

Aber die Frage ist, ob das komplette Ausnutzen des Freistellungsauftrages auf die langfristige Rendite gesehen so viel Unterschied macht?

Dazu gibt es von Finanztip ein wirklich tolles und überraschendes YouTube-Video. Das kann ich nur empfehlen.

Um die Pointe vorwegzunehmen, der langfristige Unterschied (bei 30 Jahren Haltedauer und gleichen Einzahlungen) macht bei den Enddepots im Vergleich thesaurierend vs. ausschüttend gerade mal 1% aus. Vorausgesetzt man hat fleißig alle Ausschüttungen jedes Jahr oder mehr (je nach dem wie oft der ETF ausschüttet) wieder angelegt, um den Zinseszinseffekt optimal auszunutzen.

Da war ich einigermaßen überrascht: Es macht nur 1% aus? Da hatte ich viel, viel mehr erwartet. Ganz ehrlich, dann bevorzuge ich lieber den thesaurierenden ETF und habe keinen Stress mit der Wiederanlage der Ausschüttungen.

Fazit zum Thema: thesaurierend oder ausschüttend?

Punkt 1: Im Prinzip ist es in erster Linie egal, ob du in einen thesaurierenden oder ausschüttenden ETF investierst. Hauptsache, du bist überhaupt investiert. Denn die größte Gefahr besteht darin, sich in den Detailfragen zu verheddern und gar nicht erst anzufangen.

Punkt 2: Um es mal auf die Kernaussagen runterzubrechen: Ein thesaurierender ETF ist besser, wenn du primär Vermögen aufbauen möchtest. Ein ausschüttender ETF ist zu bevorzugen, wenn du die Erträge als passives Einkommen nutzen möchtest.

Punkt 3: Wenn du ein Rechenfuchs bist und dem Staat nichts schenken möchtest, dann investierst du zuerst in ausschüttende ETFs bis dein Freibetrag ausgeschöpft ist. Danach kannst du den Sparplan aussetzen und auf einen thesaurierenden ETF umsteigen. Diese Strategie ist aber deutlich zeitaufwendiger. Da hätte ich persönlich besseres zu tun. 😉

Es hängt also in erster Linie (mal wieder) von deiner Strategie ab. Was willst du mit deinem Investment erreichen? Was ist dein Ziel?

Wie bin ich investiert?

Das kann ich kurz und knackig sagen: beide ETFs sind thesaurierend! Mein Ziel ist derzeit der Vermögensaufbau.

Lesetipps!

Falls du ein gutes Buch zur Thematik ETF lesen möchtest, kann ich dir das von Gerd Kommer „Souverän Investieren in Indexfonds & ETFs“* ans Herz legen, dazu habe ich auch schon eine Buchrezension (hier entlang) geschrieben. Das Buch gibt es auch in der Einsteigerversion*! Für einen guten Finanzkanal ist Finanztip sehr zu empfehlen.

Schreib mir doch gern in die Kommentare, in welche Art von ETFs du investiert bist und dein Warum!

Liebe Grüße: Anna

Disclaimer: Dieser Artikel ist natürlich keine Anlageberatung! Jeder handelt auf eigene Verantwortung.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Georg

    Meiner Meinung nach fehlt hier ein wichtiger Punkt, der in der Diskussion sehr oft unterschlagen wird. Wer nicht auf ein bestimmtes Ziel spart, bei dem ein großer Teil der ETFs verkauft wird, sondern jetzt oder später regelmäßige Entnahmen plant, hat einen oft unterschätzten Vorteil mit thesaurierenden ETFs. Die Ausschüttung wird sofort besteuert, ein Teilverkauf gleicher Höhe enthält aber nur einen gewissen Gewinnanteil und einen Teil eingezahltes Kapital. Dadurch sind die effektiv zu zahlenden Steuern geringer und es bleibt mehr Geld übrig.

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