Ein lebenslanger Kredit – 300 €-Regel

Ein lebenslanger Kredit – 300 €-Regel

Es handelt sich dabei um ein Gedankenexperiment, was mich schier umgehauen hat, als ich zum ersten Mal davon gelesen habe. Aber von vorn.

Stell dir mal vor: Du möchtest dir endlich mal wieder was gönnen und deine alte Spielekonsole funktioniert zwar noch, aber du willst unbedingt die Neue haben. Mit diesem Wunsch gehst du zu dem Händler deines Vertrauens und er nennt dir einen Preis von 300 Euro. Ganz schön viel Kohle, denkst du und bist etwas unentschlossen, ob du wirklich so viel Geld für eine neue Spielekonsole raushauen möchtest. Da schaut dich der Händler geheimnisvoll an und unterbreitet dir ein völlig anderes Angebot.

Du kannst die Spielekonsole kaufen, wenn du monatlich 1 Euro zahlst. Lebenslang.

Jetzt beginnst du zu rechnen und stellst fest, dass das ja der totale Unsinn ist. Warum solltest du die nächsten Jahrzehnte eine Spielekonsole abzahlen, die bis dahin sowieso irgendwann kaputt geht. Außerdem willst du dir in 4 Jahren bestimmt den Nachfolger holen, dann würdest du ja nochmal 1 Euro zahlen, wenn du wieder so einen Deal eingehst.

Völlig bescheuert, denkst du dir und kaufst die Konsole sofort für 300 Euro.

Aber im Prinzip wäre es egal gewesen wie du dich entscheidest. Beides hat den gleichen Effekt.

Auflösung: 300 €-Regel

Wenn du 300 Euro in Aktien oder ETFs investierst mit einer Rendite von 4% ergibt das 12 Euro pro Jahr, die du als Rendite bekommen würdest. Diese Rendite von 12 Euro könntest du jährlich aus deinem Depot entnehmen, ohne dass dein Grundstock an Kapital im Depot weniger wird. Auf den Monat gerechnet ergibt das genau 1 Euro. Und zwar theoretisch lebenslang, ohne dass du weiter etwas dafür tun müsstest. Selbst deine Kinder würden diesen Euro weiterhin erhalten, wenn sie dein Depot erben.

Wenn du also 300 Euro auf den Kopp haust, entgeht dir pro Monat 1 Euro, weil du dieses Geld nicht investiert hast. Lebenslang.

  • Die neue Handtasche für 600 Euro – macht 2 Euro im Monat.
  • Das neue iPhone für 1200 Euro – 4 Euro im Monat.
  • Wenn es unbedingt das 90.000 Euro-Auto sein muss, bist du bei 300 Euro im Monat – lebenslänglich.

Natürlich ist das eine einfache Modellrechnung, aber sie trifft in die Magengrube! Es sind die Kosten der entgangenen Gelegenheiten.

Seit dem ich von der 300 €-Regel weiß, überlege ich mir zwei Mal, ob ich gewisse Sachen wirklich brauche. Oder das Geld lieber investiere. Es geht dabei nicht darum mir alles zu entsagen! Sondern es geht um bewussten Konsum. Brauch ich dieses Teil wirklich und macht es mich glücklich? Oder renne ich nur blind einem Ideal oder einer gesellschaftlichen Vorstellung hinterher?

Dreh die 300 €-Regel um!

Wenn du 300 € investierst, dann bekommst du jeden Monat 1 Euro. Lebenslang. Das Geld ist also schwer am Arbeiten – für dich.

Überlege dir wieviel du investieren kannst und dann tu es! So kannst du dir ein tolles finanzielles Polster aufbauen für deine eigenen Ziele.

Dazu musst du nicht einmal minimalistisch leben (wobei das die Sache deutlich erleichtert (hier der Artikel) ;), sondern einfach nur deine Ausgaben überdenken und sinnvoll kürzen.

Die simpelste Variante für mich ist: zwei ETFs zu besparen – einen MSCI-World-ETF und einen MSCI Emerging Markets-ETF.* Damit bin ich breit diversifiziert investiert und muss nicht täglich vorm Computer hocken, um Börsenkurse zu interpretieren.

Fazit

Sparen erscheint einigen Menschen richtig öde und sie möchten lieber „im hier und jetzt leben“ (was auch immer das für den Einzelnen bedeutet). Das kann sich mit der 300 €-Regel schlagartig ändern. Wer hat schon Lust für den Rest seines Lebens für überteuerte Dinge, die dann vielleicht schon bald ungenutzt rumstehen, einen unkündbaren Kredit abzuzahlen?

Seit dem ich diese Regel kenne, bin ich noch viel konsequenter beim kritischen Hinterfragen von meinem Konsum und Ausgabeverhalten.

Die 300 €-Regel habe ich zuerst bei Oliver gelesen auf seinem Frugalisten-Blog und es hat mir die Augen geöffnet.

In diesem Sinne: maximale finanzielle Erfolge!

Anna von Finanzmedicus

*Disclaimer: Keine Kaufempfehlung, sondern die Anlageklasse und die Auswahl der ETFs spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

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